Historie der Gericke Spedition · von 1921 bis Heute

1921 · Von der Firmengründung bis zum 50-jährigen Firmenjubiläum der Wilhelm Gericke KG Spedition (1921-1971)

Der 1. Weltkrieg, 1914-1918, zwang Friedrich-Wilhelm Gericke sein Fuhrgeschäft in Charlottenburg aufzugeben. 1921 erfuhr er von einem ehemaligen Kollegen, dass ein Bahnspeditionsgeschäft in Hohenstein-Ernstthal zu verkaufen wäre. Die Besichtigung davon fand im März 1921 statt, welches unter dem Firmennamen Max Julius Oesterreich Nachf. von Herrn Wilhelm Enke betrieben wurde. Im Mai 1921 trat Friedrich-Carl-Wilhelm Gericke (geb. 18.01.1897) mit einer Kapitalanlage von 100.000,- Mark als stiller Gesellschafter bei. Vollständige Übernahme des Geschäfts Ende September 1921.

Nur langsam konnten erste geschäftliche Kontakte hergestellt und das Vertrauen der Bevölkerung sowie der Betriebe gewonnen werden. Die Anzeichen der Geldentwertung traten immer wieder in der Vordergrund, geschäftlich sah es nicht gut aus, zumal das Betriebsgrundstück mit 3 Hypotheken belastet war und zu gleicher Zeit gekündigt wurden. Das Geld musste beschafft werden, was mit viel Mühe gelang.

1924

Nachdem alle Schwierigkeiten überwunden waren, musste viel gearbeitet werden. Es war viel nachzuholen, denn der Fuhrpark, nebst Pferde, war abgewirtschaftet und es musste viel repariert oder erneuert werden. Angefangen wurde mit 8 Pferden, 20 Roll- und Kastenwagen, 2 Kutschwagen und 3 Möbelwagen. 1924 wurden auch 2 neue Bahnmöbelwagen gekauft, weil die Fernmöbeltransporte per Bahn zunahmen. Im Februar 1924 wurde uns der Handel mit Kohlen, Brikett und Koks erteilt. Das Geschäft entwickelte sich sehr gut.

1928

Im Januar 1928 wurde Karl-Friedrich-Wilhelm Gericke Teilhaber und eröffnete gemeinsam mit seinem Vater eine Offene Handelsgesellschaft. Im Alter von 60 Jahren verstarb Friedrich-Carl-Wilhelm Gericke nach kurzer Krankheit.

1935

Karl-Friedrich-Wilhelm Gericke arbeitete unermüdlich weiter. So wurde im Februar 1935 der erste LKW, Typ Mercedes Benz, gekauft.

1936

Die Möbeltransportabteilung wurde weiter ausgebaut, so dass mit fachmännischem Personal, Möbelträgern und Packmeistern viele Möbeltransporte, vor allem im Fernverkehr mit Möbelzügen durchgeführt wurden.

1940

Der 2. Weltkrieg brachte ab 1940 wieder viel Ärger und Verdruss, in dem die LKW mit den Fahrern zur Wehrmacht einberufen wurden. Zum Ersatz musste wieder auf Pferde und ausgesonderte LKW zurückgegriffen werden.

1945

Im Jahr 1945 beförderten wir mit ganz primitiven Transportmitteln wieder Güter. Vornehmlich wurden Nahrungsmittel für die Bevölkerung der Stadt Hohenstein-Ernstthal transportiert. Es fehlte an Mehl und Brot. Heiz- und Rohmaterial für die Industrie und Gewerbe waren ebenfalls sehr knapp. Die Folgen des Krieges brachten so einen riesigen Transportbedarf mit sich.

Im April 1945, nach Abschluss der höheren Handelsschule, begann Wilhelm Gericke jun., in der so genannten 3. Generation, seine Tätigkeit im Unternehmen. Seine Haupttätigkeit begann als Kraftfahrer, Organisator für Ersatzteile und Fahrzeugaufbauten. Die hiesige und umliegende Industrie erholte sich und stellte gewaltige Anforderungen an die Transportbranche. Um denen gerecht zu werden, wurde der Betrieb auf Produktionsprofile spezialisiert und die jahrelangen Leistungen für den Bäcker-Einkauf und den Kohlehandel aufgegeben.

1950

In den darauffolgenden Jahren wurde verstärkt in neuen Segmenten gearbeitet:

1954

Die Stadt Hohenstein-Ernstthal überreicht Wilhelm Gericke jun. den Gewerbeschein. Er war ab diesem Zeitpunkt berechtigt ein Gewerbe zu führen und gründete gemeinsam mit seinem Vater eine Offene Handelsgesellschaft mit dem Namen Wilhelm Gericke OHG. Im Oktober 1958 trat Bernhard Gericke als Teilhaber dieser OHG bei. Die gesamte Technik wurde von Bernhard Gericke, die Verkehrswirtschaft von Wilhelm Gericke jun. und der kaufmännische Bereich von Wilhelm Gericke sen. geleitet. Zu diesem Zeitpunkt stellten wir der Wirtschaft täglich 100 to Laderaum zur Verfügung.

1960

Es folgten Verhandlungen mit den staatlichen Organen über die Aufnahme der staatlichen Beteiligung. 1961 trat der VEB Güterkraftverkehr Glauchau mit 33 1/3 % Geschäftsanteil als staatlicher Gesellschafter in das Unternehmen ein. Der Betrieb wurde umbenannt in "Wilhelm Gericke K.G. Spedition Hohenstein-Ernstthal“. Herr Willhelm Gericke leitete das Unternehmen als geschäftsführender Komplementär.

Hohenstein-Ernstthal wurde zu einem Stückgutknotenbahnhof erklärt und mehrere umliegende Bahnhöfe wurden stillgelegt. Hierbei kamen neue Aufgaben auf uns zu. Im Betrieb ergab sich eine Erweiterung der Stückgutabteilung mit der kompletten Disposition und Abrechnung, mit eigenem Bürogebäude am Bahnhof. Stückguteingang sowie –ausgang von täglich 200 to war das Mittelmaß.

Industriewachstum und Exportsteigerung wirkten sich positiv auf die Firmenentwicklung aus. Der Gütenbahnhof Wüstenbrand wurde angemietet und im Auftrag des VEB Deutrans ca. 65 Waggons monatlich nur für die ehemalige Sowjetunion verladen. Für die beheimatete Textilindustrie wurde ein Umschlagslager für spinngefärbte Chemieseiden geschaffen.

1970

Eine enge Zusammenarbeit und ein gutes Betriebsklima führten dazu, dass die Fachkräfte dem Betrieb viele Jahre ihre Treue hielten. Mit ca. 40 Belegschaftsmitgliedern erreichten wir 1970 eine Bruttoproduktion von über 2 Mio. Mark. Dabei wurden 62.000 to Güter umgeschlagen und über 1 Mio. Kilometer zurückgelegt. Diese, für einen Kleinbetrieb enormen Leistungen, kann nur ein Fachmann ermessen, da das Gewicht vieler Stückgüter unter 50 kg lag.

1972

Unser Unternehmen wurde Anfang Mai 1972 zwangsverstaatlicht und trug den Namen VEB Spedition Hohenstein-Ernstthal. Als Betriebsdirektor dieses Unternehmens wurde Wilhelm Gericke eingesetzt. Am Leitungsstil hatte sich nichts geändert. Bernhard Gericke wurde Technischer Leiter. Der Gründer des Unternehmens räumte seinen Schreibtisch im April 1972 und betrat den Betrieb nicht wieder. Keiner vermochte in das Innere des Seniors zu blicken. Für ihn war es eine harte Zeit.

Der ehemalige Privatbetrieb funktionierte am Markt so gut, dass ihm selbst der sozialistische Staat die Anerkennung nicht verweigern konnte. Der politische Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen nahm zu.

1981

1981 wurde der Betriebsteil Hohenstein-Ernstthal dem VEB Kraftverkehr Zwickau zugeordnet. In der späteren Struktur wurde Wilhelm Gericke als Produktionsleiter für Personen- und Güterverkehr eingesetzt, bei einer Betriebsgröße von 400 Beschäftigten. Man bewegte in den Jahren auf einer Freifläche von 15.000 m² Maschinen, Apparate, Transformatoren und Seiltrommeln.

1990 · Privatisierung des Unternehmens ab Juli 1990 unter dem Namen Gericke & Co. GmbH, Hohenstein-Ernstthal.

Nachdem der sozialistische Staat keine Existenzmöglichkeit mehr hatte, räumte er den ehemaligen Eigentümern die Möglichkeit ein, ihr Unternehmen wieder zurückzukaufen. Wir stellten Antrag auf Reprivatisierung. Mit der Aufstellung der Grundmittel wurden per 31.12.1989 vom VEB Kraftverkehr Zwickau in Liquidation mehrere Transportmittel (LKW, Krane, Taxen, Anhänger), sowie das Betriebsgrundstück Schuberstraße 21 in Hohenstein-Ernstthal, Büroeinrichtungen und Werkstattausrüstungen käuflich übernommen.

Damit wurde am 01.07.1990 die Firma Gericke & Co. GmbH mit den Gesellschaftern Wilhelm Gericke, Bernhard Gericke, Gerd Gericke, Petra Scherer (geb. Gericke) und Carmen Kötz (geb. Gericke) gegründet und ein Unternehmen in der 3. und 4. Generation wieder ins Leben gerufen.

Der Betriebshof Schuberstraße 21 und die angemieteten Grundstücke am Güterbahnhof Hohenstein-Ernstthal und Wüstenbrand reichten bald nicht mehr aus, um eine moderne Spedition zu betreiben.

1990 erwarben wir das Grundstück auf der Dresdner Straße 124 in Hohenstein-Ernstthal. Der Fuhrpark wurde zwischen 1990-1992 komplett ausgetauscht und durch gebrauchte und neue moderne Fahrzeuge ersetzt. Als weiteren Kunden für Leistungen im Bereich Lagerlogistik konnte Siemens gewonnen werden.

1993

1993 wurde die erste Logistikhalle, isoliert und beheizbar, errichtet. Die Halle wurde als Hochregallager mit 2.000 Palettenstellplätzen ausgerüstet.

1994

Nachdem die Spedition Gericke 4 Jahre am Markt tätig war, interessierten sich immer mehr Unternehmen für moderne qualifizierte Logistiker, als Dienstleister für ihre Produkte. Unter diesem Aspekt wurde sich den Qualitätskriterien des TÜV Bayern-Sachsen gestellt und die Firma erhielt anlässlich einer Feierstunde im November 1994 die Zertifizierungsurkunde für den Geltungsbereich Spedition – Sammelgut – Logistik – Spezialtransporte für Maschinen und elektrische Geräte. Durch einen Audit-Bericht wurde der Nachweis erbracht, dass die Forderungen der DIN ISO 9002/EN 29002 erfüllt sind.

Ende Juli 1994 wurde eine Tochterfirma im vogtländischen Neumark gegründet.

1995

Bau einer zweiten Halle mit 20 Toren als Umschlagsanlage für Sammelgut in Hohenstein-Ernstthal.

1998

Als Mitglied der seit 1998 bestehenden Speditionskooperationen VTL – Vernetzte Transport Logistik und ILN – International Logistic Network, sichert die Spedition Gericke den Kunden im Stückgut- und Ladungsverkehr nationale und europaweite Flächendeckung zu.

2000

Juni 2000 wurde eine Niederlassung in Regensburg gegründet, um dort als Hausspediteur von SGB Regensburg die gesamten logistischen Leistungen zu übernehmen.

2004

Als umweltbewusstes Unternehmen wurde der Fuhrpark bis 2009 modernisiert

2008

Heute verfügt das Speditionsterminal über 25.500 m² befestigte Fläche und 6.000 m² moderne Hallenfläche. Die vorhandenen 4 Hallen stehen alle im Verbund und können über 40 Tore bedient werden. Die Logistikhallen sind klimatisiert und staubarm. Für länger lagernde Wirtschaftsgüter besteht unser Außenlager in Hohenstein-Ernstthal mit einer Kapazität von 1.000 Palettenstellplätzen.

2010

Eröffnung 01.10.2010 von unserem Containerterminal im GVZ Glauchau, in dem Ganzzüge 12 mal wöchentlich von und nach Hamburg abgefertigt werden, inklusive Containervor- und Nachläufe.

2014

Erweiterung der Zusammenarbeit mit Siemens im neuen Siemenswerk in Chemnitz mit 10.000 qm Logistikhalle. Die Bewirtschaftung erfolgt durch Gericke vom Sichten der Ware beim Eingang, über Buchen, Lagern, Abrufen bis zur Lieferung an den Fertigungsplatz.